Ritterspiele

Ritterspiele

Ritterspiele

Mit dem achtjährigen Moritz arbeite ich schon länger. Seine Emotionen kann er nur mit Mühe kontrollieren, so dass er oft von einen Moment auf den anderen sehr wütend werden kann. Gleichzeitig hat er eine große Phantasie, die mich immer wieder überrascht. So kommt er diesmal auf die Idee, mit mir ein Rollenspiel als Ritter durchzuführen.

Rollenspiel als logopädisches Element

Da ich weder passendes Spielzeug noch andere Gegenstände zur Verfügung habe, müssen wir unser Rollenspiel improvisieren und uns immer wieder gut absprechen. Rollenspiele sind daher aus logopädischer Sicht eine hervorrangende Möglichkeit, um den Wortschatz zu erweitern. Je weniger reales Spielzeug, umso größer ist die Notwendigkeit miteinander zu sprechen.

Faszination der Ritter

Gerade Jungs sind fasziniert von der Welt der Ritter. Sie können sich sehr gut damit identifizieren, denn mit Rittern werden viele positive Eingenschaften verbunden, die gerade für Jungs von Bedeutung sind. Für sie sind Ritter Heldenfiguren, denn sie sind stark und mutig. Ritter kämpfen gegen das Böse wie z.B. Drachen, und sie beschützen die Schwachen. Die uralten Heldensagen der Ritter sind bis heute in unserem kulturellen Gedächtnis tief verankert.

Aggressionen kanalisieren

Ich besorge für Moritz Ritterfiguren, und er ist begeistert. Jede Figur schaut er aufmarksam und lange an, bevor wir damit spielen. Moritz bestimmt, wer gegen wen kämpft, wer gewinnt und wer verliert. Immer wieder treten zwei Ritter gegeneinander an. Meist verlieren meine Ritter. Endlich kann Moritz seine Agressionen so ausleben, dass niemand zu Schaden kommt. Im Spiel fallen nur die Ritter um und müssen verarztet werden.

Miteinander statt gegeneinander

Ich versuche, den wilden Kämpfen ein Wendung zu geben. "Was meinst Du, wen sollten wir beschützen?", frage ich ihn. "Na den König." Also verbünden sich meine und seine Ritter zu einer gemeinsamen Mannschaft, die den König beschützt. Moritz ist nun nicht mehr ein wilder Krieger, sondern ein mutiger Beschützer, der sich in den Dienst des Königs gestellt hat.